Wann und wo findet der Eurovision Song Contest 2026 statt?
Der 70. Eurovision Song Contest findet im Mai 2026 in Wien statt. Die Termine:
- Halbfinale: Dienstag, 12. Mai 2026, 21:00 Uhr MESZ
- Halbfinale: Donnerstag, 14. Mai 2026, 21:00 Uhr MESZ
- Großes Finale: Samstag, 16. Mai 2026, 21:00 Uhr MESZ
Austragungsort ist die Wiener Stadthalle mit 16.152 Plätzen – dieselbe Arena, die bereits 2015 den ESC beherbergte. Insgesamt finden neun Shows in einer Woche statt: neben den drei TV-Übertragungen gibt es jeweils Nachmittags-Previews und Abend-Previews (die ehemaligen Jury-Shows) am Vortag. Wer also denkt, der ESC sei ein Samstag-Abend-Event, liegt ungefähr so daneben wie jemand, der glaubt, eine Fußball-WM bestehe nur aus dem Finale.
Rund um die Stadthalle verwandelt sich Wien in eine ESC-Hauptstadt: Das Eurovision Village auf dem Rathausplatz (geöffnet vom 10. bis 17. Mai) bietet Live-Screenings, Konzerte und Street Food bei freiem Eintritt. Der EuroClub im Prater Dome veranstaltet die offiziellen After-Parties. Und am 10. Mai eröffnet die ESC-Woche mit dem „Turquoise Carpet" am Burgtheater – dem roten Teppich des Musikwettbewerbs, nur eben in Türkis.
Warum Wien? Ein kurzer Rückblick
Am 17. Mai 2025 gewann der österreichische Countertenor JJ (bürgerlich Johannes Pietsch) den ESC in Basel mit „Wasted Love" und 436 Punkten. JJ, ausgebildet an der Wiener Staatsoper, überzeugte vor allem die Fachjury mit einer Performance, die Oper und Clubmusik kombinierte. Es war Österreichs dritter ESC-Sieg – nach Udo Jürgens 1966 („Merci, Chérie") und Conchita Wurst 2014 („Rise Like a Phoenix").
Im August 2025 bestätigte der ORF Wien als Austragungsort. Mehrere Städte hatten sich beworben – darunter Graz, Innsbruck, Linz und Wels – aber Wien setzte sich mit seiner Infrastruktur, internationalen Anbindung und Erfahrung aus 2015 durch. Zum dritten Mal in der Geschichte findet der ESC damit in der österreichischen Hauptstadt statt: nach der Hofburg 1967 und der Stadthalle 2015.
Im Sport würde man sagen: Wien hat den Zuschlag für das Heimspiel bekommen. Und die Stadt weiß, wie man Großevents inszeniert.
All 35 Songs of the Eurovision Song Contest 2026
Format und Ablauf: Wie funktioniert der ESC 2026?
Für alle, die mit dem Format nicht vertraut sind – hier die Kurzfassung, erklärt in Sportlogik:
35 Länder treten an. Davon sind fünf direkt fürs Finale qualifiziert: Gastgeber Österreich sowie die „Big Four" (Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien), die als größte Beitragszahler der Europäischen Rundfunkunion (EBU) einen fixen Finalplatz haben. Das ist im Prinzip wie die gesetzte Gruppe bei einer WM-Auslosung – nur dass hier Geld statt FIFA-Ranking entscheidet.
Normalerweise spricht man von den „Big Five" inklusive Spanien. Da der spanische Sender RTVE seine Teilnahme jedoch abgesagt hat, gibt es 2026 erstmals nur die „Big Four". Dazu gleich mehr.
Die restlichen 30 Länder müssen sich über zwei Halbfinals qualifizieren. Jeweils die besten zehn kommen weiter – macht insgesamt 25 Finalisten am Samstag. Bewertet wird durch eine Kombination aus Jury-Voting (Fachjurys der teilnehmenden Länder) und Televoting (öffentliche Abstimmung). Seit 2023 gibt es zusätzlich eine „Rest of the World"-Online-Abstimmung, bei der auch Zuschauer aus nicht-teilnehmenden Ländern Punkte vergeben können.
Die Running Order der Halbfinals wurde Anfang April veröffentlicht. Und genau wie beim Startplatz in der Formel 1 kann die Position über Erfolg und Misserfolg entscheiden: Wer früh singt, wird oft vergessen. Wer spät dran ist, bleibt im Gedächtnis.
Die Teilnehmer: 35 Länder, fünf Boykotte, drei Comebacks
Das Teilnehmerfeld des ESC 2026 erzählt eine Geschichte, die weit über Musik hinausgeht.
Der Boykott
Fünf Länder verweigern die Teilnahme aus Protest gegen die Zulassung Israels im Kontext des Gaza-Konflikts: Island, Irland, die Niederlande, Slowenien und Spanien. Es ist der größte Boykott in der ESC-Geschichte seit 1970. Mit Spanien fehlt erstmals seit 1961 ein Mitglied der „Big Five". Der Schweizer ESC-Gewinner von 2024, Nemo, gab aus Protest sogar die Siegertrophäe an die EBU zurück.
Im Sport kennt man solche Boykotte – man denke an die Olympischen Spiele 1980 in Moskau oder 1984 in Los Angeles. Die Parallelen sind frappierend: ein Großevent, das von geopolitischen Spannungen überschattet wird, während die Show trotzdem weiterläuft.
Die Comebacks
Auf der anderen Seite kehren drei Länder zurück: Bulgarien (nach drei Jahren Pause), Rumänien (zwei Jahre) und Moldau (ein Jahr). Moldaus Vertreter Satoshi gewann seinen Vorentscheid mit Höchstnoten von allen Jurys und dem Publikum – ein souveräner Qualifikationserfolg, der im Fußball einer 5:0-Gala entspräche.
Wer singt für Österreich? Cosmó und der „Tanzschein"
Gastgeber Österreich schickt den 19-jährigen Cosmó ins Rennen. Er war der jüngste Teilnehmer beim ORF-Vorentscheid „Vienna Calling", bei dem sich über 500 Acts beworben hatten. Im Finale am 20. Februar 2026 holte er Platz zwei bei der Fachjury und Platz eins beim Publikum – und sicherte sich damit das Ticket für das Heimspiel in der Stadthalle.
Sein Song „Tanzschein" ist genau so charmant-wienerisch, wie der Titel klingt. Die Buchmacher sehen Österreich allerdings eher als Außenseiter: Die Siegchancen liegen aktuell bei unter einem Prozent. Eine Titelverteidigung beim ESC gelang zuletzt Irland 1994 – das wäre im Sport ungefähr so, als würde Kaiserslautern nochmal die Bundesliga gewinnen. Nicht unmöglich, aber die Quoten sprechen dagegen.
COSMÓ - Tanzschein | Austria 🇦🇹 | Official Music Video
Deutschland: Sarah Engels mit „Fire"
Für den deutschsprachigen Markt relevant: Sarah Engels vertritt Deutschland mit dem Song „Fire". Sie gewann am 28. Februar „Das deutsche Finale 2026" in Berlin und setzte sich gegen acht andere Acts durch. 3,651 Millionen Zuschauer verfolgten den Vorentscheid – ein Marktanteil von 18,1 Prozent beim Gesamtpublikum und 27,4 Prozent bei den Jüngeren.
Auch ohne Stefan Raab, der den Vorentscheid 2025 noch geprägt hatte, blieben die Quoten stabil. Das zeigt: Der ESC als Marke funktioniert unabhängig von einzelnen Protagonisten – eine Erkenntnis, die jeder Sportmarketer sofort unterschreiben würde. Eine starke Liga braucht kein einzelnes Gesicht. Der Wettbewerb selbst ist das Produkt.
In den ESC-Sieger-Quoten rangiert Sarah Engels allerdings weit hinten – Platz 21 der Buchmacher-Prognosen. Für deutsche ESC-Fans ist das ungefähr so überraschend wie eine Niederlage des HSV im Pokal.
Die Favoriten: Wer gewinnt den ESC 2026?
Stand Mitte April 2026 sehen die Buchmacher das Rennen folgendermaßen:
Finnland führt klar. Das Duo Linda Lampenius und Pete Parkkonen tritt mit „Liekinheitin" (zu Deutsch: „Flammenwerfer") an. Die geschätzte Siegwahrscheinlichkeit liegt bei rund 29 bis 30 Prozent. Im Sport entspricht das einer komfortablen 2:0-Führung zur Halbzeit.
Dahinter folgt Frankreich mit Sängerin Monroe und „Regarde!" – Siegchance etwa 11 bis 12 Prozent. Auf Platz drei liegt Dänemark mit Søren Torpegaard Lund bei rund 10 Prozent. Weitere Kandidaten im vorderen Feld: Griechenland, Israel, Schweden und Australien (mit Delta Goodrem).
Aber Vorsicht: ESC-Quoten sind Momentaufnahmen. Proben in der Stadthalle, Live-Auftritte und virale Social-Media-Momente können die Wahrnehmung eines Songs innerhalb weniger Tage komplett verändern. 2023 etwa stieg Finnlands Käärijä mit „Cha Cha Cha" in den letzten Proben-Tagen zum absoluten Publikumsliebling auf. Der ESC ist wie ein Tennisturnier: Die Papierform zählt bis zum ersten Aufschlag.
Wie der ORF auf seiner eigenen Website treffend formulierte: Nicht alle Buchmacher-Favoriten sind nachvollziehbar – und das macht den Wettbewerb ja gerade spannend.
Die Show: Was erwartet die Zuschauer?
ORF hat ein Showkonzept entwickelt, das die 70-jährige Geschichte des ESC feiert und gleichzeitig neue Maßstäbe setzen will.
Das ist die Bühne beim 70. Eurovision Songcontest in Wien
Bühne und Design
Bühnendesigner Florian Wieder (der bereits 2015 für die ESC-Bühne in Wien verantwortlich war) hat ein Konzept entworfen, das von der Wiener Secession inspiriert ist – jener Kunstbewegung, die um 1900 bewusst mit Konventionen brach. Im Zentrum: eine geschwungene LED-Fläche in Blattform. Der Green Room – der Bereich, in dem die Künstler während der Show sitzen – wird zum Wiener Kaffeehaus. Die Kaffeehauskultur ist seit 2011 immaterielles UNESCO-Kulturerbe. Als Bühnenelement ist das ungefähr so kreativ, wie wenn ein Olympia-Gastgeber seinen Kulturerbe-Status ins Stadiondesign integriert.
Moderation
Victoria Swarovski (TV-Moderatorin, bekannt aus „Let's Dance", geboren in Innsbruck) und Michael Ostrowski (Schauspieler und Romy-Preisträger aus Leoben) führen durch die Shows. Im Green Room: Emily Busvine.
Opening und Interval Acts
Das Finale wird eröffnet von JJ, der „The Queen of the Night" mit dem Wiener Rundfunk Symphonieorchester, Tänzern und Akrobaten performt. Sein Papierboot aus der Basel-Performance reist – so die Story – über Rhein und Donau nach Wien.
Als Interval Acts im Finale treten auf: die finnische Rock-Band Lordi (ESC-Sieger 2006), die ukrainische Ikone Verka Serduchka (2007), das italienische Trio Il Volo (2015) und Erika Vikman aus Finnland (2025). Sie performen neue Versionen historischer ESC-Hits. Danach: Parov Stelar mit seinem Electro-Swing und César Sampson (Österreich 2018) mit einer Version von Billy Joels „Vienna".
Im ersten Halbfinale performt ein 70-köpfiger Chor eine Hommage an „L'amour Est Bleu" – den ESC-Hit von 1967, als Wien zum ersten Mal Gastgeber war. Und im zweiten Halbfinale gibt es den Interval Act „Kangaroo": Victoria Swarovski und Michael Ostrowski klären ein für alle Mal den Unterschied zwischen Austria und Australia. Unterstützt von Go-Jo, dem australischen ESC-Vertreter von 2025 mit „Milkshake Man".
Wer nach dieser Auflistung immer noch denkt, der ESC sei „nur ein Liederwettbewerb", dem ist auch mit Pyrotechnik nicht mehr zu helfen.
Der ESC in Zahlen: Reichweite und Relevanz
Ein paar Zahlen, die das Ausmaß dieses Events verdeutlichen:
Der ESC 2025 in Basel erreichte laut Statista rund 170 Millionen Zuschauer weltweit. In Deutschland schalteten 8,55 Millionen ein. Der Marktanteil lag bei rund 37 Prozent. 2022 in Turin waren es 161 Millionen über alle drei Shows, 2023 in Liverpool 162 Millionen.
Zum Vergleich: Ein durchschnittliches Champions-League-Gruppenspiel im Free-TV kommt auf einen Marktanteil von etwa 20 bis 25 Prozent. Das Finale der Champions League erreicht weltweit rund 350 Millionen Zuschauer – aber der ESC liefert diese Reichweite über drei Abende. In Österreich lag der Marktanteil des ESC 2025 in der Spitze bei 48 Prozent. Das schafft nicht mal ein ÖFB-Länderspiel zuverlässig.
Was bedeutet das für Sportmarketing?
Jetzt kommt der Teil, der erklärt, warum wir bei innauer + facts über den Eurovision Song Contest schreiben. Denn der ESC ist längst kein reines Musik-Event mehr – er ist eine Marketingplattform mit Sportdimensionen.
Zielgruppen, die der Sport nicht erreicht
Die ESC-Demografie unterscheidet sich fundamental von der klassischen Sportfan-Basis: jünger, diverser, stärker digital-affin, höherer Frauenanteil. Für Marken, die über Sport allein nicht alle Segmente abdecken, ist der ESC ein komplementärer Kanal – keine Konkurrenz, sondern eine Erweiterung.
Event Activation in Wien
Wien bietet in der ESC-Woche Berührungspunkte, die sich für Markenaktivierungen eignen: das Eurovision Village am Rathausplatz (sieben Tage, freier Eintritt), der EuroClub, die neun Arena-Shows, die Turquoise-Carpet-Eröffnung. Im Vergleich zum Sport ist das ESC-Sponsoring-Umfeld erstaunlich wenig besetzt – weniger Clutter, mehr Raum für kreative Aktivierungen.
Multi-Event-Strategie: ESC + FIFA WM 2026
Der ESC 2026 findet im Mai statt, die FIFA Fußball-WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko startet im Juni. Wer eine Multi-Event-Strategie fährt, deckt über drei Monate hinweg zwei komplett unterschiedliche Zielgruppen ab. Das ist nicht entweder-oder – das ist sowohl-als-auch.
Was der Sport vom ESC lernen kann
Der ESC beherrscht etwas, was viele Sportverbände erst mühsam lernen: Entertainment als Kernprodukt. Die Halbzeitshows des Super Bowl, die Opening Ceremonies bei Olympia, die Inszenierungen in der NFL – all das ist letztlich ESC-DNA, die in den Sport migriert ist. Wien 2026 mit seinem Secessions-Bühnendesign, dem Kaffeehaus-Green-Room und dem 70-köpfigen Chor zeigt, wie man ein Event so inszeniert, dass die Show selbst zum Inhalt wird.
FAQ: Die wichtigsten Fragen auf einen Blick
Wann findet das ESC-Finale 2026 statt? Am Samstag, 16. Mai 2026, um 21:00 Uhr MESZ. Die Halbfinals am 12. und 14. Mai.
Wo wird der ESC 2026 ausgetragen? In der Wiener Stadthalle. Das Eurovision Village ist am Rathausplatz.
Wie viele Länder nehmen teil? 35 – so wenige wie seit 2004 nicht mehr. Fünf Länder boykottieren, drei kehren zurück.
Wer vertritt Österreich? Cosmó mit „Tanzschein".
Wer singt für Deutschland? Sarah Engels mit „Fire".
Wer sind die Favoriten? Finnland (Linda Lampenius & Pete Parkkonen, „Liekinheitin") führt die Buchmacher-Quoten mit rund 29 Prozent Siegwahrscheinlichkeit an. Dahinter Frankreich und Dänemark.
Wer moderiert? Victoria Swarovski und Michael Ostrowski. Green Room: Emily Busvine.
Gibt es noch Tickets? Reguläre Verkaufsphasen sind abgeschlossen. Resttickets gibt es ausschließlich über die offizielle Wiederverkaufsplattform fanSALE von oeticket. Vorsicht vor Fake-Shops und Phishing.
Wie viele Zuschauer hat der ESC? 2025 in Basel: rund 170 Millionen weltweit. In Österreich lag der Marktanteil in der Spitze bei 48 Prozent.
Fazit
Der Eurovision Song Contest 2026 in Wien ist nicht „nur" ein Musikwettbewerb. Er ist ein einwöchiges Großevent mit neun Arena-Shows, 35 teilnehmenden Nationen, einer Reichweite von über 160 Millionen Zuschauern und einem Showkonzept, das die Opening Ceremony mancher Olympischen Spiele blass aussehen lässt.
Für die Sportmarketing-Branche und für uns als Sportsponsoring Agenturbietet der ESC genau das, wonach viele suchen: eine emotionale Plattform mit hoher Reichweite, eine Zielgruppe, die über klassische Sportformate schwer erreichbar ist, und ein Aktivierungsumfeld, das im Vergleich zum Sport noch erstaunlich viel Freiraum bietet.
Wien wird im Mai 2026 für eine Woche zum Zentrum der europäischen Unterhaltungsindustrie. Wer im Eventmarketing arbeitet und das ignoriert, verpasst – um im Sportjargon zu bleiben – ein offenes Tor.
Alle Angaben zu Teilnehmern und Wettquoten: Stand April 2026. Quellen: EBU/eurovision.com, ORF, Statista, wettfreunde.net, ESC kompakt, Eurovision World, joyn.at.
Melden Sie sich für unseren Newsletter an
Aktuelle Projekte, Erfolge und Kampagnen aus der Innauer + (f)acts Welt: Verpassen Sie keine Neuigkeiten mehr.
Die Aktualisierungsabonnement wurde erfolgreich abgeschlossen!