Sportmarketing Athletenmanagement Events Persönlichkeiten Über Uns

Michael Kuhn ist tot: Wer der österreichische Sportjournalist war und warum er den Sport geprägt hat

Michael Kuhn gehörte über Jahrzehnte zu den prägenden Persönlichkeiten des österreichischen Sportjournalismus. Als Reporter, Kommentator und Chefredakteur begleitete er Generationen von Sportfans und wurde selbst zu einem festen Bestandteil der heimischen Sportgeschichte.

Nun ist Michael Kuhn im Alter von 88 Jahren gestorben. Mit ihm verliert Österreich einen Journalisten, der den Sport über mehr als sechs Jahrzehnte nicht nur dokumentierte, sondern auch die Art prägte, wie über ihn berichtet wurde.

Warum ist Michael Kuhn aktuell in den Nachrichten?

Mit Michael Kuhn verliert Österreich eine der prägendsten Persönlichkeiten des Sportjournalismus. Der langjährige Sportchef der "Kronen Zeitung" und frühere ORF-Kommentator starb in der Nacht auf Mittwoch im Alter von 88 Jahren in Kärnten. Über mehr als sechs Jahrzehnte berichtete er als österreichischer Journalist über Fußball, Skisport und Olympische Spiele – und prägte damit Generationen von Sportfans.

Das teilte seine Tochter der APA mit. Die Nachricht verbreitete sich rasch, weil Kuhn zu den bekanntesten Namen des österreichischen Sportjournalismus zählte: Als Krone-Sportchef leitete er über vier Jahrzehnte das Sportressort der größten Tageszeitung des Landes, als ORF-Kommentator kommentierte er fast dreißig Jahre lang Fußball und Skirennen. ORF, "Kronen Zeitung", "Der Standard" und zahlreiche weitere Medien berichteten am Mittwoch übereinstimmend über seinen Tod. Genau deshalb taucht sein Name jetzt in den Suchanfragen auf – viele wollen wissen, wer er war und was ihn so bekannt gemacht hat.

Für jüngere Sportfans ist Michael Kuhn heute vielleicht kein vertrauter Name mehr. Wer jedoch in Österreich in den 1970er-, 1980er- oder 1990er-Jahren Sport verfolgte, kam an ihm kaum vorbei.

Porträt des österreichischen Sportjournalisten Michael Kuhn

Wer war Michael Kuhn?

Merkmal Information
Geboren 28. Oktober 1937 in Wien
Gestorben 22. Juli 2026 in Kärnten
Beruf Sportjournalist
Bekannt durch Kronen Zeitung, ORF
Schwerpunkte Fußball, Skisport, Olympische Spiele
Funktion Sportchef, Chefredakteur, ORF-Kommentator

Michael Kuhn war kein gewöhnlicher Reporter, der über Ergebnisse berichtete. Er gehörte zu der kleinen Gruppe österreichischer Journalisten, die über Jahrzehnte hinweg selbst zu einem Teil der Sportlandschaft wurden – bekannt, respektiert und mit einem Netzwerk ausgestattet, das kaum ein Kollege erreichte.

Seine ersten journalistischen Schritte machte er als freier Mitarbeiter bei der "Wiener Illustrierten", beim "Wiener Montag" und bei der ÖVP-nahen "Neuen Österreichischen Tageszeitung" – klassische Stationen eines jungen Reporters in der Nachkriegszeit. Was danach folgte, war eine der längsten und einflussreichsten Karrieren, die der österreichische Sportjournalismus kennt: mehr als vier Jahrzehnte an der Spitze des Sportressorts der größten Tageszeitung des Landes, dazu fast drei Jahrzehnte als Kommentator im Fernsehen.

Karriere: ORF und Kronen Zeitung

Der Kern von Kuhns Karriere lässt sich an zwei Namen festmachen: der "Kronen Zeitung" und dem ORF.

Kronen Zeitung. 1959 kam Kuhn zur gerade neu gegründeten "Neuen Kronen Zeitung" – und blieb ihr sein gesamtes Berufsleben treu. Als Krone-Sportchef übernahm er die Leitung des Sportressorts und baute es zur meinungsbildenden Instanz der größten Zeitung des Landes aus. Später stieg er zum stellvertretenden Chefredakteur auf, 2003 schließlich zum geschäftsführenden Chefredakteur. Als der junge Christoph Dichand die Chefredaktion übernahm, wurde Kuhn ihm gewissermaßen als erfahrener Kompromisspartner zur Seite gestellt – ein Zeichen dafür, welches Gewicht sein Name im Haus hatte.

ORF. Parallel dazu war Kuhn von 1965 bis Anfang 1993 – fast dreißig Jahre lang – als ORF-Kommentator bei Fußballspielen und Skirennen im Einsatz. Diese Doppelrolle machte ihn im ganzen Land bekannt: Wer ihn nicht aus der Zeitung kannte, kannte seine Stimme aus dem Fernsehen. Das Ende seiner ORF-Karriere hatte einen konkreten Grund: Der damalige Generalintendant Gerd Bacher sah eine Unvereinbarkeit zwischen Kuhns Rolle bei der "Krone" und seiner Tätigkeit im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Kuhn selbst nahm es gelassen – er habe sich, wie er einmal sagte, ohnehin immer in erster Linie als "Zeitungsmensch" gefühlt.

Die Reporterlegende Michael Kuhn ist verstorben. Der 88-jährige Wiener galt als Koryphäe des österreichischen Sportjournalismus.

Warum war Michael Kuhn so bekannt?

Dass Kuhn zur festen Größe des österreichischen Sportjournalismus wurde, lag nicht nur an seinen Positionen. Es lag an der Art, wie er arbeitete.

Er war einer der ersten, der die tägliche Sportberichterstattung um Recherche, Exklusivgeschichten und persönliche Nähe zu den Sportlerinnen und Sportlern erweiterte, statt sich mit Ergebnissen und Terminen zu begnügen. Wegbegleiter beschrieben ihn als jemanden mit einem außergewöhnlichen Netzwerk, der praktisch jeden großen österreichischen Sportler seiner Zeit persönlich kannte – und dessen Nähe zum Geschehen oft größer war als die mancher Funktionäre. Zugleich galt er, was in einem Gewerbe voller Eitelkeiten selten ist, als jemand, der selbst über Konkurrenten kaum schlecht sprach; seine Schärfe zeigte er lieber im kritischen Wort auf Papier als im Gespräch über Kollegen.

Sein Markenzeichen

Michael Kuhn galt als Journalist, der den direkten Kontakt zu Sportlerinnen, Trainern und Funktionären suchte. Seine Kommentare waren oft klar formuliert und meinungsstark, gleichzeitig wurde er für seine hervorragenden Kontakte und seine gründliche Recherche geschätzt. Gerade diese Mischung machte ihn über Jahrzehnte zu einer festen Größe im österreichischen Sportjournalismus.

Diese Mischung aus Zugang, Haltung und Beständigkeit machte ihn über Jahrzehnte zu einer festen Instanz – jemandem, dessen Einschätzung zählte, lange bevor Pressekonferenzen und offizielle Statements zum Standard wurden.

Seine größten Verdienste

Jahrzehnte im Spitzensport

Kuhns Berichterstattung erstreckte sich über nahezu alle großen Bühnen des Sports: Fußball-Weltmeisterschaften, Olympische Spiele und der alpine Skiweltcup gehörten über Jahrzehnte zu seinem festen Terrain. Als Chronist begleitete er damit einige der erfolgreichsten Phasen des österreichischen Sports hautnah – von den großen Zeiten des österreichischen Skisports bis zu zahlreichen internationalen Fußball-Großereignissen.

Präsident der Sports Media Austria

Kuhns Bedeutung ging über die eigene journalistische Arbeit hinaus. 1997 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern von Sports Media Austria, dem Verband der österreichischen Sportjournalisten, und übernahm dessen Präsidentschaft. Bis zu seinem Tod hielt er die Ehrenpräsidentschaft – ein Ausdruck davon, wie sehr ihn die Branche als ihre eigene Instanz betrachtete.

Internationale Anerkennung

Die Auszeichnungen für sein Lebenswerk spiegeln diese Sonderstellung wider. Bereits 1997, zu seinem 60. Geburtstag, erhielt er das Große Ehrenzeichen für Verdienste um die Stadt Wien. 2019 würdigte ihn die internationale Sportjournalistenvereinigung AIPS in Lausanne mit ihrem Sonderpreis für das Lebenswerk – damals war Kuhn bereits 81 Jahre alt und galt längst als eine der prägenden Figuren des internationalen Sportjournalismus. 2024 folgte eine weitere Ehrung, diesmal vom Branchenmagazin "Österreichs Journalist:in".

Michael Kuhn bei der Verleihung des AIPS Lifetime Achievement Award 2019 in Lausanne

Michael Kuhn und der österreichische Spitzensport

Während seiner jahrzehntelangen Karriere berichtete Kuhn über mehrere Generationen österreichischer Spitzensportler – von Franz Klammer und Toni Innauer bis zu Hermann Maier und zahlreichen Erfolgen der österreichischen Fußball-Nationalmannschaft. Als ORF-Kommentator und Krone-Sportchef fiel seine aktive Zeit genau in jene Jahrzehnte, in denen Österreich zur festen Größe im alpinen Skisport wurde, ergänzt um zahlreiche Olympische Spiele und Fußball-Weltmeisterschaften.

Kuhns Bedeutung erschöpft sich dabei nicht in der reinen Berichterstattung. Über sechs Jahrzehnte hinweg war er einer der zentralen Chronisten des österreichischen Sports – jemand, der nicht nur berichtete, sondern die öffentliche Wahrnehmung von Fußball und Wintersport im Land mitprägte. Als Fernsehkommentator half er mit, den alpinen Skisport zu einem der populärsten Themen im österreichischen Fernsehen zu machen, zu einer Zeit, in der Skirennen ganze Nachmittage der Nation prägten. Als Zeitungsjournalist begleitete er über vier Jahrzehnte hinweg nahezu jede große sportliche Entwicklung des Landes – von Erfolgen bis zu Krisen, von Aufstiegen bis zu Skandalen.

Reaktionen auf seinen Tod

Die Nachricht von Kuhns Tod löste in den österreichischen Medien zahlreiche Nachrufe und Würdigungen aus. ORF, "Kronen Zeitung" und "Der Standard" berichteten übereinstimmend über den Tod des "Doyens des Sportjournalismus", wie ihn "Der Standard" nannte, und ordneten ihn als eine der prägendsten Figuren der jüngeren österreichischen Mediengeschichte ein.

Besonders persönlich fielen die Worte langjähriger Weggefährten aus. Der Journalist Robert Sommer, der von Kuhn selbst in den Beruf eingeführt worden war, schrieb im Wiener Bezirksblatt:

Er hat den Journalismus in dieser Sparte neu erfunden.

— Robert Sommer, Wiener Bezirksblatt

Gemeint waren Kuhns eigene Recherchen, seine exklusiven Geschichten und eine menschliche Nähe zu den Athletinnen und Athleten, wie sie in dieser Form selten geworden ist.

Kuhn hinterlässt seine Frau Helga Kuhn, eine bekannte Astrologin, die ebenfalls viele Jahre für die "Krone" tätig war, sowie seine Tochter, die TV-Produzentin Bettina Kuhn.

Michael Kuhn in Zahlen

Vermächtnis

Michael Kuhn dokumentierte den österreichischen Spitzensport über mehr als sechs Jahrzehnte. Er berichtete nicht nur über Erfolge und Niederlagen, sondern wurde selbst Teil jener Geschichte, die er erzählte. Sein Name bleibt eng mit der Entwicklung des österreichischen Sportjournalismus verbunden – und mit einer Zeit, in der Reporter noch über Generationen hinweg das Vertrauen ihres Publikums gewannen.

FAQ zu Michael Kuhn

Wer war Michael Kuhn?
Ein österreichischer Sportjournalist (28. Oktober 1937 – 22. Juli 2026). Er leitete über vier Jahrzehnte das Sportressort der "Kronen Zeitung" und war fast dreißig Jahre lang Fußball- und Skikommentator des ORF.

Warum ist Michael Kuhn bekannt?
Kuhn galt als eine der prägendsten Figuren des österreichischen Sportjournalismus. Er war Sportchef und später geschäftsführender Chefredakteur der "Kronen Zeitung", langjähriger ORF-Kommentator und Präsident von Sports Media Austria.

Für welche Medien arbeitete Michael Kuhn?
Vor allem für die "Kronen Zeitung", der er von 1959 bis zu seinem Tod verbunden blieb, sowie für den ORF, für den er von 1965 bis 1993 kommentierte.

War Michael Kuhn beim ORF?
Ja. Von 1965 bis Anfang 1993 war er als ORF-Kommentator bei Fußballspielen und Skirennen im Einsatz.

Wie alt wurde Michael Kuhn?
Er wurde 88 Jahre alt und starb in der Nacht auf Mittwoch, den 22. Juli 2026, in Kärnten.

Welche Auszeichnungen erhielt Michael Kuhn?
Unter anderem das Große Ehrenzeichen für Verdienste um die Stadt Wien (1997), den AIPS-Sonderpreis für sein Lebenswerk (2019) sowie eine Auszeichnung von "Österreichs Journalist:in" (2024).

Weitere Informationen

Mehr Hintergründe und verwandte Artikel finden Sie hier: